Man könnte meinen, dass es schon aufwändig genug sei, in eine neue Stadt zu ziehen und sich dort einzuleben. Turns out: it’s not.

Aber vielleicht fangen wir mal von vorne an:

Mein Umzug nach Frankfurt lief überraschend unkompliziert – mal abgesehen davon, dass sich der Internetanschluss verspätet einrichten ließ. Da stand er also vor mir: der blühende und unglaublich warme Restsommer in Frankfurt. Das war anders wild.
Noch nie in meinem Leben habe ich so lange und so stetig Temperaturen über 30 Grad erlebt. Das war eine Erfahrung für sich und wird dieses Jahr wahrscheinlich noch einmal intensiver werden…

Und dann war da ja auch noch meine neue Arbeit. Nachdem das erste halbe Jahr eher durchwachsen war, kann man inzwischen sagen, dass ich nun tatsächlich in dem Bereich arbeite, für den ich eingestellt wurde. Es ist zu Zeiten herausfordernd, aber ich lerne viel und habe größtenteils doch das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun.

Was einem, denke ich, erst richtig bewusst wird, wenn ein Vollzeitjob mit 38,5 Stunden die Woche fest verplant ist, wird die Zeit, die einem noch bleibt, plötzlich knapp und kostbar. Manchmal frage ich mich, ob ich so ein Leben leben kann, in dem der Großteil meiner Zeit von Arbeit konsumiert wird.

Ja, das Studium war in gewisser Weise auch Arbeit, aber eben anders. Flexibler. Manchmal sozialer. Anders eben. Zeit mit Freunden lässt sich nicht mehr so beiläufig integrieren. Und genau dieser Punkt bring einen ganz andern Drive in Freundschaften.
Es braucht nun beidseitige Initiative, um sich bewusst Zeit füreinander zu nehmen. Wenn das nicht geschieht, bleibt die Freundschaft entweder durch einseitige Initiative bestehen – oder sie endet still und leise. Es kann aber auch genauso sein, dass man selbst feststellt, dass man wie eine Einbahnstraße ständig nur Nachrichten sendet, aber aus Eigeninitiative nichts bei einem selbst ankommt.

Hier ist die Frage, ab wann ich mir selbst eingestehe, dass die Freundschaft für mich offensichtlich wichtiger ist als für meinen Gegenüber.

Ja, dieses Eingeständnis ist hart, aber vielleicht auch nötig, um nach vorne zu schauen und neue Verbindungen einzugehen.
Trotzdem kann eine Heilung von so einer Verbindung lange andauern. Vielleicht hört der Schmerz, eine Freundschaft verloren zu haben, auch nie auf.
Wie eine Wunde, die immer wieder aufreißt – an schönen Momenten, die man sonst geteilt hätte, oder an Abenden, an denen man die Gedanken schweifen lässt.

Vielleicht ist es die Kunst, Vergangenes ruhen zu lassen und ungelebten Möglichkeiten nicht nachzutrauern. Eine Lektion, die ich wohl erst noch lernen muss.

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