Den Großteil meines bisherigen Lebens bin ich nicht nur als eigenes Individuum erkannt worden. Die Existenz meines Bruders, meines Zwillings, war immer bekannt und bedacht. Eine ständige Koexistenz. Besonders im Kindergarten, der Schule und ein paar Hobbies. „Die Zwillinge“ zu sein kann manchmal ganz schön einengend sein. Ein ständiger Vergleich. Eine Erwartungshaltung erbaut auf den Fähigkeiten des Anderen, sowie die fehlende Weitsicht dies als vollkommenen Irrsinn zu erkennen und dementsprechend zu handeln.

Nach dem Abitur, dann die erste Station allein. Dennoch ist es verwunderlich komisch, dass neue Menschen im Leben nicht wissen dass man einen Zwilling hat. Eine immerwährende Überraschung und Realisation des Gegenübers. Immer gleich. Immer überrascht. Aber auch immer die gleichen Fragen. Tröstlich, manchmal nervig, irgendwie schon immer existent.

Die Fragen werden nie aufhören. Mein, unser, ganzes Leben lang existieren. Die Orte und Menschen werden sich ändern. Ihre Irrtümer werden verschwinden. Es ist keine Vergleichbarkeitsbasis mehr da. Das Gefühl, dass jeder weiß, dass ich einen Zwilling habe, wird aber wohl nie verschwinden. Zu normal, zu gewohnt. Und irgendwie tröstlich in einer sich ständig ändernden Welt von Leuten.

Und dennoch: In der Heimat werden die Uhren auf ewig festgefahren sein. Koexistenz forever.

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